Psychiatriemißbrauch

Meinung über das Einweisungsgutchten

Meinung über das Einweisungsgutachten von Herrn Dr. Leipziger über Herrn Gustl Mollath

 

Die Bevölkerung wird in die Irre geleitet in Bezug auf den Gesundheitszustand von Herrn Mollath. Das liegt natürlich auch daran, dass  das Gutachten von Herrn Leipziger nicht veröffentlicht wurde, was verständlich ist. Ich durfte dieses einsehen und musste zu dem Resultat kommen, dass es unwissenschaftlich, widersprüchlich und nicht nachvollziehbar ist.

 

Das Gutachten, wenn man es überhaupt so nennen sollte, besteht zur Hälfte aus dem Aktenstudium. Der Duraplusordner, den Herr Mollath als Verteidigung dem Gericht überlassen hatte, enthält 106 Seiten, u.a. genaue Angaben von Konten und Namen, die im Zusammenhang mit der Geldverschiebung stehen. Aus diesem Ordner hat Herr Leipziger nur biographische Daten zusammen gesucht (als Anamneseersatz). Ansonsten geht er auf die anderen Seiten überhaupt nicht ein. Insbesondere werden die Inhalte des Duraplusordners eben nicht als Beweis für ein wahnhaftes Geschehen gewertet. Es folgt ein Abschnitt, der wie folgt gegliedert ist:

Darstellung aus der Klinikdokumentation (S. 14- S.20)

Untersuchung und Exploration des Angeklagten durch den Sachverständigen( S. 21- S.24 Mitte).

Die Klinikdokumentation  besteht im Wesentlichen aus Anmerkungen des Pflegepersonals und besagt nur, dass Herr Mollath sich erst wusch, als man ihm Kernseife zu Verfügung stellte, dass er anfänglich das Klinikessen ablehnte, dann aber doch aß und dass er Untersuchungen ablehnte. Der Stationsarzt schreibt pauschal und unsubstanziiert „zusammenfassend deutliche paranoide wahnhafte Denkinhalte mit einer deutlichen Symptomatik“, ohne diese mit Beispielen zu belegen.

Herr Mollath wurde am 14.02.2005 im BKH Bayreuth aufgenommen. Erst am 18.02.2005 führte Herr Leipziger ein "informatives Gespräch" mit Herrn Mollath. Anhand des Gesprächs erhob er einen psychopathologischen Befund. Dieser ist ohne Krankheitswert, wörtlich heißt es u.a.: "diesbezüglich kamen somit in diesem Gespräch paranoide und Größenvorstellungen des Angeklagten,..nicht zur Sprache". Am 18.02.2005 erklärte sich Herr Mollath zu einer Untersuchung und Exploration bereit, wenn ein Zeuge anwesend sein durfte. Dies lehnte Herr Leipziger ab. Ebenso verhielt es sich am 18.03.2005. Wiederum erklärte sich Herr Mollath mit einer Untersuchung und Exploration in Anwesenheit eines Zeugen einverstanden. Herr Leipziger lehnte es erneut ab.

Zitat 1 Seite 20:
"Am 18.02.2005 hatte ihn Dr. Petzold in seinem Arbeitszimmer gesprochen. Danach sei der Unterzeichnete überraschend aufgetaucht und hätte noch schnell ein Gespräch mit ihm führen wollen. Als er auf Zeugen bestanden hätte, sei der Unterzeichnete verärgert abgezogen. Am Abend hätte der Unterzeichnete durch seinen Mitarbeiter fragen lassen, ob er ( der Angeklagte) jetzt mit dem Unterzeichneten reden würde. Ohne Zeugen hätte er (der Angeklagte) wieder ablehnen müssen."
Zitat 2 Seite 23:
" Nachdem Versuche durch Mitarbeiter auch in der 11. Kalenderwoche gescheitert waren, den Angeklagten zu Untersuchungen zu bewegen, oder such auf Gespräche exploratiben Charakters einzulassen, versuchte der Unterzeichnete am 18.03.2005 eine gezielte Exploration...
Letztlich ließ sich der Angeklagte auch unter der Darlegung des üblichen Modus einer gutachterlichen Untersuchung nicht dazu bewegen, von seiner Position abzurücken. Immer wieder erklärte de rangeklagte, er sei nur bereit, vor allen anderen Patienten bzw. den gerade anwesenden Patienten im allen Patienten zugänglichen Aufenthaltsraum mit dem Unterzeichneten zu sprechen."

In den 6 Wochen der Unterbringung ging Herr Leipziger nur zweimal (18.02.2005 und 18.03.2005) auf Herrn Mollath zu, ansonsten gab es keinen Kontakt. Trotzdem heißt es auf Seite 21 des Gutachtens: „Untersuchung und Exploration des Angeklagten durch den Sachverständigen“, so als ob eine Untersuchung und Exploration durchgeführt worden seien.

In der Beurteilung und Zusammenfassung greift Herr Leipziger so gut wie überhaupt nicht auf das Aktenstudium zurück. Dies dazu, dass es ein Gutachten nach Aktenlage sein soll. Er stellt ein Szenario dar, welches weder auf dem Aktenstudiumg noch auf den Beobachtungen basiert. Auffällig ist vor allem, die Nennung des Herrn Worthmüller, der zuvor Herrn Mollath begutachten sollte, sich aber für befangen erklärt hatte. Hieran macht Herr Leipziger die Schwarzgeldverschwörung fest, indem er behauptet, dass es bewiesen sei, dass Herr Worthmüller nicht beteiligt sei und Herr Mollath somit jeden, der zufällig in Kontakt mit ihm (Mollath) käme, als Bedrohung erlebe.

Er begründet sein Gutachten nach Aktenlage damit, dass Herr Mollath sich einer Untersuchung verweigert habe, was nach seinen eigenen Angaben überhaupt nicht stimmt. Wer sich verweigerte, war Herr Leipziger.

Er geht nicht darauf ein, dass er während des persönlichen Gesprächs mit Herrn Mollath einen psychopathologischen Befund ohne Krankheitswert erstellt hat. Daher verwundert es auch nicht, dass es eine Diagnose eigentlich nicht gibt. Es heißt vielmehr differentialdiagnostisch sei es eine wahnhafte Störung oder differentialdiagnostisch eine paranoide Psychose. Die paranoide Psychose sei möglich, weil Herr Mollath dem aufnehmenden Arzt gegenüber auf die Frage, ob er Stimmen höre sagte: "er höre eine innere Stimme, die ihm sage, er sei ein ordentlicher Kerl, er spüre sein Gewissen". Da stellt sich die Frage, seit wann handelt es sich um akustische Halluzinationen, wenn man auf sein Gewissen, seine innere Stimme hört?

Herr Leipziger bevorzugt die Diagnose wahnhafte Störung. Dabei handelt es sich aber um eine Ausschlussdiagnose. D.h. wenn keine paranoide Psychose vorliegt, es kein drogen- oder alkoholinduzierter Wahn und auch kein organisch bedingter Wahn ist, dann erst darf die Diagnose einer wahnhaften Störung gestellt werden. Herr Leipziger schreibt selbst, dass eine organische Ursache nicht untersucht werden konnte. Damit ist die Diagnose wahnhafte Störung nicht nachvollziehbar und unzulässig laut Definition des ICD 10. Herr Dr. Leipziger konnte also keine Erkrankung, die den internationalen Kriterien entspricht ausmachen. Ein Wahn ist keine Erkrankung, sondern nur ein Symptom einer Erkrankung. Die unterstellte wahnhafte Störung ist eine in der Psychiatrie extrem selten vorkommende Erkrankung, die noch nicht vollständig erforscht ist. Das Wesentliche an der wahnhaften Störung ist, dass der Betroffene bis auf das wahnhafte Erleben psychopathologisch völlig unauffällig ist. Daher kommt er auch so selten ins Krankenhaus. Abgesehen von den primären und sekundären Auswirkungen des Wahns ist die Leistungsfähigkeit nicht wesentlich beeinträchtigt und das Verhalten ist nicht auffallend seltsam oder bizarr. Am 21.02.2005 vermerkt der Stationsarzt, dass deutlich bizarre Verhaltensmuster vorliegen würden, ohne diese näher zu belegen. Wenn dem so gewesen wäre, dann käme eine wahnhafte Störung als Diagnose wiederum nicht mehr in Frage.

 Herr Leipziger hat Herrn Mollath nie zu den Tatvorwürfen befragt. Schlimmer noch: nach dem Aufenthalt von Herrn Mollath im BKH fragte Herr Leipziger nach, ob es noch andere Straftaten gäbe, da das bisher vorliegende zu unergiebig sei. Ungefähr 2,5 Monate nach Herrn Mollaths Entlassung wurde eine neue Akte mit den angeblichen Reifenstechereien nachgeliefert.

In der Zusammenfassung geht Herr Leipziger nicht auf die einzelnen Taten ein. Dies wäre aber zwingend erforderlich. Der Gutachter muss feststellen, ob zum Zeitpunkt der Tat eine Erkrankung vorlag, aufgrund derer die Person einsichts- und steuerungsunfähig war. Herr Leipziger schreibt pauschal, dass Herr Mollath zu den Tatzeitpunkten(ohne Zeitangabe) an einer schweren geistigen Störung gelitten habe und zumindest vermindert schuldfähig war. Wichtig ist auch, dass im Gutachten nicht die Rede davon ist, dass der Gutachtenauftrag sich auch auf die Reifenstechereien bezieht.

Nicht besser steht es um die letzte Stellungnahme des BKH Bayreuth, nachzulesen unter www.strate.net. Siehe dazu auch unterhttp://www.psychiatrie-missbrauch.de/index.php/2-uncategorised/10-fachpsychiatrische-meinung.

Der letzte Gutachter von Herrn Mollath war Herr Dr. Weinberger. Dieser hat Herrn Mollath im BKH Bayreuth persönlich untersucht und keinen Befund von Krankheitswert nachweisen können. Komisch, dass dieser Gutachter von den Medien fast nie erwähnt und vom BKH Bayreuth verschwiegen wird. In ihrer letzten Stellungnahme hätte sie das Gutachten von Herrn Weinberger diskutieren müssen.

Herr Dr. Weinberger betreibt die Internetseite http://www.psychiatrie-und-ethik.de/. Seit 40 Jahren macht er sich um den Kampf gegen den Psychiatriemissbrauch verdient. Er ist der einzige Psychiater, der es wagte bei der Großkundgebung am 29.07.13 in Nürnberg öffentlich auf zu treten und die Mißstände an zu prangern. Die Rede kann man sich auf youtube anhören:

http://www.youtube.com/watch?v=ZgqxtF8HQLw

Es wäre schön, wenn sich noch mehr Psychiater und andere Kollegen sich ihm anschließen würden.